Books,  Interview,  Neuerscheinungen

10 Fragen an Mia

Hallo Bookies,

I´m Back und Stelle euch Mia vor. Wer Mia ist? Sie ist die Hauptfigur aus „Augenblicke für die Ewigkeit“ von C.S.Bieber, welches Gestern erschienen ist. Erstmal Herzlichen Glückwunsch an Cassia. Du hast es dir echt verdient!

Da ich Teil von einer Blogtour bin, kommen noch andere Beiträge, bei den anderen Wundervollen Bloggern raus. (Ich verlinke sie euch gleich) Gestern kam schon die Buchvostellung vom Buch bei LeasLiberary. Vorbeischauen Lohnt sich. Ich kann euch nicht genau die Beiträge verlinken, da sie noch nicht öffentlich sind, deswegen nur ihre Instagram Kanäle.

Blogtourtermine

04.11. Buchvorstellung (Leas Libraryy, Insta)

05.11 Interview mit Mia (Melodysofbooks, MMah auf Insta)

06.11 Interview mit C.S Bieber (Bloggerinthejogger, Paula auf Insta)

07.11 Interview mit Kian (The Book Lover, Sina auf Insta)

08.11 Lesung (Rose auf Insta)

09.11 Moodboard Vorstellung (Patri auf Insta, Sina auf Insta,)

10.11 Lied Vorstellung ( Liza auf Insta)

11.11 Stadt Vorstellung (Federleserlich, Anna auf Insta)

12.11 Zitate auf unseren Instagramseiten

Bild von Mia

Copyright: M´Mah Soumah

Bevor wir mit dem Interview starten, seht ihr ein Bild von Mia, wie ich sie mir Vorstelle. Natürlich kann sie für euch völlig anders aussehen.

Interview mit Mia Hailee Sanders

1. Magst du deinen Namen?

Eigentlich habe ich nie so richtig darüber nachgedacht. Aber ja. Wenn man ihn mit dem Namen meiner Schwester (Samatha Stormy Sanders) vergleicht, war meine Mutter recht unkreativ bei mir.  Ich bin recht zufrieden Mia Hailee Sanders zu heißen.


2. Was glaubst du fühlt ein Schmetterling im Bauch, wenn du verliebt bist?

Ich habe die Frage nicht so richtig verstanden. Willst du wissen, ob ich Schmetterlinge im Bauch habe, wenn ich verliebt bin? Ich habe bis jetzt nur eine Beziehung gehabt … (Schaut zu Boden und streicht sich die Haare hinters Ohr). Leider ist sie nicht gut ausgegangen. Wenn ich bei meinem Ex Schmetterlinge im Bauch gehabt habe, kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Aber es gibt da ein Kerl (schaut wieder auf und verbeißt sich ein Lächeln). Er ist nicht gerade mein Typ. Zu Fremd, zu schweigsam, zu … zu heiß. Wenn er mit mir redet oder wenn er singt … oh mein Gott …Wenn er singt … Da spüre ich ein Kribbeln, aber nicht nur im Bauch, sondern überall.

3. Welche Jahreszeit hast du am liebsten und wieso?

ch liebe den Winter. Im Winter gibt es Schnee, Lebkuchen (Vegan, natürlich) und Weihnachten mit meiner Familie. Sie sind mein Ein und Alles und der Grund, warum ich überhaupt nach Oak Valley zurückgekommen bin. Das, obwohl ich mir geschworen habe, von dieser Stadt fernzubleiben.


4. Was sind deine Hobbys?

Ich fotografiere gerne. Wobei ich das schon lange nicht mehr gemacht habe. Jetzt habe ich keine Zeit mehr, Hobbys zu haben, denn meine Buchhandlung nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Vielleicht irgendwann habe ich wieder Zeit zu tun, was ich liebe.

5. Wer ist deine beste Freundin und warum? Was macht für dich eine Gute Freundschaft aus?

Meine Schwester. Obwohl sie fünf Jahre jünger ist als ich (21 Jahre alt), hat sie immer zu mir gehalten. Früher habe ich jemand anderen „beste Freundin“ genannt. Aber erst, wenn man schwere Zeiten durchmacht, weiß man, wer die echten Freunde sind.

6. Wie müsste dein Traummann sein?

Er müsste treu sein. Das ist mir sehr wichtig. Aber ich denke, dass es ihn gar nicht gibt. Mein Traummann müsste mich und meine Vergangenheit kennenlernen und mich trotz allem lieben. Das ist unmöglich.


7. Was würdest du gern an Dir ändern?

(Senkt den Blick und presste die Lippen fest aufeinander) Ich hätte gerne einen anderen Körper. Einen ganz neuen.


8. Wenn deine Gute Fee bei Dir auftauchen würde, was würdest du dir wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass mein Dad noch lebt. Kann sie so einen Wunsch erfüllen? Wenn nicht, würde ich mir wünschen, dass meine Mom glücklich ist. Das hat sie verdient.


9. Was ist dein Lieblingszitat? Und von wem ist es? Und warum ist es dein Liebling?

“If you were mine, I would never have broken up with you, not in a million years.” – To all the boys I’ve loved before by Jenny Han 

Meine Schwester würde so tun, als würde sie brechen, wenn sie das hören würde. Aber ich bin nun mal so romantisch veranlagt.


10. Was macht dich deiner Meinung nach Besonders?

Ich finde mich nicht besonders. Es sei denn du meinst, dass ich in der Vergangenheit besonders dumm und naiv gewesen bin. Aber man lernt aus den eigenen Fehlern. Hoffentlich.

Danke Nochmal an Mia und Cassia

Und seid ihr neugierig?

Augenblicke für die Ewigkeit

Augenblicke für die Ewigkeit von [Bieber, C. S.]
Bis jetzt nur als E-Book 3,99

Nie würde sie den Klang seiner Stimme vergessen können
Nie würde er aufhören können, an ihre Augen zu denken

Nur für einen Moment begegnen sich Mia und Kian in ihrem Buchladen im kleinen Ort Oak Valley in den Rocky Mountains. Dieser eine Moment reicht, dass Mia sich sicher ist, hinter Kians stiller Fassade steckt mehr. Und je mehr Zeit die beiden miteinander verbringen, desto stärker fühlt Mia sich zu Kian hingezogen.

Kian ist nur für kurze Zeit in Oak Valley, bevor er weiterziehen muss. Aber als er Mia Sanders begegnet, weiß er sofort: Diese Frau wird er nicht so schnell vergessen können. Immer wieder treffen er und Mia sich und er beginnt sich zu verlieben. Aber Kian verdient ihre Liebe nicht und kann sich doch nicht von ihr losreißen. 

Aber kann ein einziger Augenblick die Ewigkeit verändern?

Leseprobe

Augenblicke für die Ewigkeit C.S.Bieber

1 Mia Ich war in einer Schneekugel gefangen. So fühlte es sich zumindest an, als ich vor meinem Laden parkte und seufzend aus dem Auto stieg. Weiße Flocken verfingen sich in meinen Wimpern und ich stapfte durch knöchelhohen Schnee um den Geländewagen herum. Mit den drei Farbdosen, die ich aus dem Kofferraum holte und auf meinen Händen balancierte, trat ich ins The Bookmark, meine Buchhandlung. Wärme liebkoste meine durchgefrorenen Wangen und zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Hier drinnen schien die Entscheidung, in meine Heimatstadt zurückzukehren, doch nicht so absurd. Die staubigen Bücherregale, der alte Lederstuhl hinter dem Tresen, der vertraute Duft von Papier, Leder und Tinte. Der Buchladen, der meinem Dad gehört hatte, rief Erinnerungen wach, die wie Honig auf meiner Zunge schmeckten. Ich schälte mich aus meiner Winterjacke, nahm Schal und Mütze ab und tauschte die Schneestiefel gegen warme Pantoffeln. Meine Gelenke fühlten sich immer noch steif an, als ich den Thermostat hochdrehte und mich daraufhin bis vor die erste Regalreihe schleppte. Mein Herz sackte in die Kniekehle. Auf dem Boden vor mir saß ein Mann. Ein völlig fremder Mann. »Heilige Hirschkuh!«, schrie ich und presste die Hand an die Brust. Er sah auf und sein Mundwinkel zuckte. Ein offenes Buch lag in seinen Händen und er zog seine Augenbrauen hoch. »Heilige Hirschkuh?!« Beim Klang seiner rauchigen Stimme stockte mir der Atem. Sie hallte bis tief in meinen Bauch hinein und eine Gänsehaut breitete sich in mir aus. Ich schluckte schwer und straffte die Schultern. »Wer sind Sie und was machen Sie in meinem Laden?« Sein Lächeln wurde breiter, wobei er den Wälzer zuklappte und ihn beim Aufstehen ins Regal schob. »Für gewöhnlich kauft man Bücher in Buchläden. Oder funktioniert das hier anders?« Der Mann trat aus der Regalreihe und seine Miene wurde in helles Licht getaucht. Sein nachtschwarzes Haar, das an den Seiten kurz und oben etwas länger war, rahmte sein kantiges Gesicht ein. Ein Dreitagebart zog sich um seine vollen Lippen und hinter dichten Wimpern entdeckte ich atemberaubende, waldgrüne Augen. »Ich …« Mit gesenktem Kopf klemmte ich mir das Haar hinters Ohr und atmete tief durch. »Wir haben noch nicht geöffnet.« Seine schweren Stiefel traten in mein Blickfeld und der herbe Duft seines Aftershaves strich mir um die Nase. »Die Tür war offen.« Mir war erst eingefallen, dass ich den Laden nicht abgeschlossen hatte, als ich schon unterwegs gewesen war, um die Farbdosen zu holen. In Denver hätte ich mich niemals getraut, die Buchhandlung unverschlossen zu verlassen. Aber ich war in Oak Valley. In dieser winzigen Stadt in den Rocky Mountains war Kriminalität ein Fremdwort und alle Einwohner kannten sich mit Vornamen. Ich legte den Kopf in den Nacken und sein Blick senkte sich in meinen. »Ich wollte meinen Laden für die Neueröffnung morgen fertig machen. Dann fiel mir auf, dass ich die Kinderleseecke mit Harry Potter Zitaten dekorieren könnte. Ich bin nach Hause gefahren und habe vergessen abzuschließen«, faselte ich und meine Wangen fingen an zu brennen. »Aber an der Tür hängt ein Schild. Die Buchhandlung ist geschlossen.« Ein leises Lachen entglitt seinen Lippen. Das Geräusch gefiel mir. Mehr, als es sollte. Blinzelnd schüttelte ich den Kopf und verschränkte die Arme vor dem Bauch. »Was finden Sie so lustig?« Der Fremde steckte die Hände in die Taschen seiner Jeans, wobei sein Pullover sich um seine Schultern spannte. »Wäre sowas in New York passiert, würden Sie Ihren Laden leer vorfinden.« »Ein Einbrecher aus New York, also.« Er legte die Stirn in Falten und Belustigung tanzte in seinen Augen. »So nennen Sie Ihre Kunden?« »So nenne ich Fremde, die in meinem Buchladen auftauchen, obwohl er noch geschlossen ist.« Er trat einen Schritt nach vorne. Ich wich einen zurück. »Das Schild habe ich übersehen. Aber …« Er kam näher auf mich zu und streckte mir die Hand entgegen. »Vielleicht kann ich Sie daran hindern, die Polizei zu rufen, wenn ich mich vorstelle. Oder wir uns duzen.« Ein charmantes Lächeln umspielte seine Lippen. »Ich bin Kian.« Mein Blick huschte von seinem Gesicht zu seiner Hand und zögerlich ergriff ich sie. Sein Händedruck war fest und sanft zugleich und Wärme breitete sich in meinem Magen aus. »Ich habe Alarmknöpfe überall im Laden eingebaut. Wenn du etwas Blödes versuchst, ist die ganze Stadt hier drinnen, bevor du Oak Valley sagst.« Er schenkte mir ein halbes Grinsen. »Ein recht ungewöhnlicher Name.« Sein Blick glitt zu meinen Lippen und blieb dort hängen. »Aber etwas sagt mir, dass es sich lohnt, ihn auswendig zu lernen.« Ein Kribbeln rollte mir die Wirbelsäule hinunter und ich tat mein Bestes, es zu unterdrücken. »Ich heiße Mia.« »Der Name gefällt mir noch besser.« Kian musterte mich eindringlich, während sein Daumen eine Sekunde lang über meinen Handrücken strich. »Schön dich kennenzulernen, Mia.« Die Art, wie er meinen Namen aussprach–als würde er ihn federleicht küssen–verwandelte meine Knie in weiche Butter. Rasch zog ich meine Hand zurück und räusperte mich. »Okay.« Ich schlich einen Schritt rückwärts und strich mir mein kinnlanges Haar abermals hinters Ohr. »Wie kann ich dir helfen, Kian?« Er ließ sich ein paar Sekunden Zeit, wandte aber seinen Blick nicht von mir ab. »Ich will keine Umstände machen und würde gern wiederkommen, wenn der Laden offiziell geöffnet hat. Aber leider muss ich morgen früh wieder gehen.« Enttäuschung machte sich in mir breit. Ich würgte sie hinunter. Er war ein New-Yorker, der eindeutig nichts in den Rocky Mountains verloren hatte. Warum kümmerte es mich, wie lange er bleiben würde? »Kein Problem. Wenn du schon hier bist, kann ich auch behilflich sein.« Ein Leuchten stahl sich in seine Augen. Doch es verflog, als Kian einen gefalteten Zettel aus seiner Hosentasche hervorholte und ihn mir überreichte. »Ich suche das nächste der Liste.« Seine Stimme zitterte ein wenig. Fast, als wäre er sich nicht so sicher, ob er das Buch wollte. Ich zog die Brauen zusammen und nahm ihm das Stück Papier ab. »Weißt du nicht, wie es heißt?«, fragte ich und faltete die Liste auseinander. Kian senkte die Lider und ein trauriges Lächeln huschte über seine Lippen. »Es ist schon lange her, dass ich darauf geschaut habe.« Ich hielt die Luft an, während meine Augen sich auf den Zettel richteten. Die Tinte war verschmiert, als hätte es darauf geregnet. Nicht alle Titel ließen sich gut lesen, doch ein paar Buchstaben waren genug, um zu erkennen, um welchen Band es ging. Unter lauter Kinderund Jugendbücher entdeckte ich Klassiker, wie Matilda oder Charlie und die Schokoladenfabrik. Aber auch aktuelleren Erscheinungen wie Harry Potter und Wunder reihten sich neben-und untereinander. Ich warf ihm einen Seitenblick zu, doch Kian sah mich nicht an. Was machte ein Mann, ein heißer Kerl aus New York, in einer Buchhandlung in Oak Valley mit einer Liste voller Kinderbücher? Vermutlich hatte er ein Kind, eine Nichte, einen Neffen. Vielleicht war er verheiratet und ich sollte sofort aufhören, ihn anzustarren. Räuspernd betrachtete ich die sechs obersten Titel auf der Liste. Sie waren durchgestrichen und beim Siebten wusste ich genau, wo ich ihn finden würde. Ich bedeutete ihm mit einer Kopfbewegung, mir zu folgen und eilte zu den Schaukelstühlen am Ende des Ladens. Mit gestrecktem Zeigefinger fuhr ich die bunten Buchrücken im Regal entlang, bis ich den gesuchten Band fand und ihn herauszog. »Die unendliche Geschichte«, sagte ich grinsend und wirbelte herum. Eine Sekunde lang dachte ich, Kian wäre vorn stehengeblieben. Doch als ich ihn ein paar Schritte von der Kinderleseecke entfernt entdeckte, blinzelte ich. »Hier ist es.« Sein Blick streifte nachdenklich durch den Raum und sein Adamsapfel hüpfte auf und ab, bevor er näher trat und mir den Band samt Liste vorsichtig aus den Händen nahm. »Wie viel kostet es?« Er war wie ausgewechselt. Von seiner neckischen Art blieb nichts mehr übrig. Stattdessen starrte er das Buch an, als sähe er viel mehr als nur das Cover. »Nichts«, erwiderte ich. Kian hob stirnrunzelnd den Kopf. »So dauert es nicht lange, bis du pleitegehst.« Ich verdrehte die Augen. »Du bist mein erster Kunde. Ich habe mir vorgenommen, dem ersten Besucher meines Ladens ein Buch zu schenken.« Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Ein Echtes. Kein Trauriges. »Als ich in diese Stadt gekommen bin, habe ich nicht gedacht, dass ich hier etwas Besonderes finden würde.« Kian trat näher, bis seine Stiefel beinahe meine Pantoffeln berührten und seine Wärme mich anzog, wie Metall einen Magnet. »Scheinbar lag ich falsch.« Mein Magen zog sich zusammen und ich war unfähig mich zu bewegen. Was meinte er damit? Das Buch. Er meinte das Buch. Was hätte er sonst damit meinen sollen? Doch die Frage stellte ich nicht. Stattdessen sah ich zu, wie Kian sich umdrehte und zum Eingang eilte. Aber bevor er aus dem Landen trat, sah er über die Schulter zurück. »Ich werde heute Abend im Serendipity auftreten. Vielleicht sehen wir uns.« Ich schluckte schwer. »Vielleicht.« Kian lächelte schief. »Danke für das Buch.« Alkohol! Weil keine gute Geschichte mit einem Salat beginnt! Den Satz las ich mehrmals auf einer an der Wand hängenden Kreidetafel, während meine Schwester und ich hüpfend vor dem Serendipity-Pub standen. In meinem Bauch flatterten unbekannte Wesen. Leise Country-Musik gewürzt mit einer Prise fröhlicher Stimmen drang aus dem Gebäude vor uns. »Können wir jetzt bitte reingehen? Ich kann meine Pobacken nicht mehr spüren«, jammerte Samantha und zog ihre Wollmütze tiefer ins Gesicht. Ihr Atem stand als dichte Wolke vor ihren neonpinken Lippen. Ein Schmunzeln hockte in meinen Mundwinkeln. »Wenn du eine Hose an Stelle eines Minikleids angezogen hättest, …« »Beende bloß nicht den bescheuerten Satz!«, warnte sie mich mit erhobenem Zeigefinger. »Das hier ist mein großer Auftritt.« Sie deutete auf ihr Pailletten-Kleid, das unter der offenen Winterjacke aufblitzte. Das Stück Stoff endete knapp unter ihrem Po und ihre langen Beine steckten in durchsichtigen Strumpfhosen. »Ich bin endlich 21 und werde nicht wie eine Bäuerin aussehen, wenn ich zum ersten Mal in den Pub gehe.« Ich warf den Kopf in den Nacken und lachte lauthals. Die eisige Luft brannte in meiner Kehle. »Als wärst du noch nie im Serendipity gewesen.« Samantha schnaubte und zupfte am Saum ihres Kleides. »Es ist das erste Mal, dass ich keine Angst haben muss, rausgeschmissen zu werden.« Ich kaute auf meiner Unterlippe herum und starrte die Eingangstür an. »Gib mir noch eine Minute. Ich …« »Bitte, Mia.« Sie legte beide Hände auf meine Schultern und drehte mich zu sich um. »Du kannst dich nicht für immer in deinem Haus verstecken und dein Leben an dir vorbeiziehen lassen. Wir werden deine Rückkehr feiern, weil man auf neue Anfänge immer anstoßen soll.« Ihre Miene war ernst, ihr Blick eindringlich. Meine Rückkehr. Stundenlang hatte ich vor dem Spiegel gestanden und überlegt, was ich zu diesem feierlichen Anlass anziehen sollte. Mehrmals hatte ich meine Klamotten wieder im Schrank verstaut und versucht, meine Schwester zu überzeugen, dass ich doch zu Hause bleiben sollte. Viele Leute, denen ich heute Abend im Serendipity begegnen würde, hatten mich zum letzten Mal vor zwei Jahren gesehen. Ich war mir sicher, dass mein Name immer noch für ein mitleidiges Kopfschütteln sorgte, wenn ich bei Tischgesprächen erwähnt wurde. Ich sah an mir herab. Nachdem ich vier verschiedene Outfits anprobiert hatte, hatte ich mich für kniehohe Stiefel, dunkle Jeans und einen enganliegenden Rollkragenpullover entschieden. Tatsächlich sah ich gut aus. Nicht so heiß wie meine jüngere Schwester, doch hübsch genug, um das letzte Bild von mir auszuradieren, dass die Einwohner meiner Heimatstadt noch im Kopf hatten. Außerdem war mir heute Morgen ein weiterer Grund geliefert worden, warum ich Samanthas Einladung annehmen und mit ihr ausgehen sollte. Meine Wangen brannten und ich atmete tief durch. »Du hast recht.« Ich öffnete den Reißverschluss meiner Winterjacke, die mein ausgewähltes Outfit verbarg. »Lass uns mein Comeback feiern.« Ein breites Grinsen erhellte Samanthas Gesicht, wobei sie sich hüpfend in die behandschuhten Hände klatschte. »Das ist meine kleine Schwester.« Ich zog eine Augenbraue hoch. »Ich bin fünf Jahre älter als du.« Schulterzuckend öffnete sie die Tür und warf mir einen kurzen Blick über die Schulter zu. »Aber du bist zwölf Zentimeter kleiner.« Lachend folgte ich ihr hinein. Warme Luft vermischte sich mit dem süßlichen Geruch von Bier und strömte mir in die Lungen. Helles Lachen und laute Musik schlugen mir entgegen, doch noch lauter als der Klang von The Fray rauschte mir das Blut in den Ohren. Mein Lächeln erstarb. Eine kleine Menschenmasse drängte sich gegen die Mahagoni-Bar und mit erhobenen Händen kämpften sie um ihre Bestellungen. Gespräche sprossen in jeder Ecke des Raums und mein Herz pochte immer schneller, während ich bekannte Gesichter in der Menge entdeckte. Ich senkte den Kopf und ließ meine braunen Strähnen meine Miene verbergen. »Komm, Mia. Lass uns die Jacken in der Garderobe abgeben«, sagte Samantha, die ihre Finger mit meinen verband, und mich hinter sich herzog. Ich betrachtete meine Stiefel, die ihren hohen Pumps folgten. Nicht einmal als meine Schwester mir den Parka abnahm, hob ich den Kopf. Keine Ahnung wer in der Garderobe arbeitete, doch ich wollte nicht riskieren, dass diese Person mich wiedererkannte und mich mit Fragen löcherte. Früher oder später würde das passieren. Aber nicht heute Abend. »Mia, das ist meine beste Freundin«, sagte meine Schwester. Blinzelnd riss ich den Kopf hoch. Vor meiner Nase schwebte ein Schnapsglas gefüllt mit einer goldfarbenen Flüssigkeit. »Tila-Tequila«, fügte Samantha hinzu und schwang das Glas hin und her. Mein Blick huschte zu den Leuten, die immer noch um die Aufmerksamkeit des Barkeepers kämpften. »Hast du die Superkraft entwickelt, Drinks aus dem Nichts zu zaubern?« Sie spitzte die Lippen. »Das wäre echt nützlich. Aber nein.« Samantha nickte mit dem Kinn zu der Garderobe, aus der wir gerade kamen. »Hast du die Gläser da hinten nicht gesehen? Sonntag ist Tequila-Nacht.« Ich schüttelte den Kopf. »Du weißt, dass ich nicht trinke. Außerdem würde Mom …« Meine Worte blieben mir im Hals stecken, als ein schrilles Geräusch, wie der Ton einer Pfeife, den ganzen Pub verstummen ließ. »Hey, Leute.« Eine weibliche Stimme drang durch die Sprechanlage. Ich zuckte zusammen und sogar die Menge an der Bar drehte sich zur Bühne herum, auf der eine Frau in einem engen roten Kleid stand. Ich erkannte sie sofort. Emmy Simmens. Sie war Cheerleaderin an meiner High-School gewesen und ihren Eltern gehörte dem Pub. Emmy tippte einmal auf das Mikrofon und lächelte mit einer Verlegenheit, die nicht zu ihr passte. »Wie Mom euch versprochen hat, laden wir an jedem ersten Sonntag des Monats die beste Unterhaltung nach Oak Valley ein.« Meine Schwester kippte ihren Tequila herunter und stieß mich mit der Schulter an. »Das hat sich nicht geändert. Sie hört sich immer noch gern selbst reden.« Samantha reichte mir erneut mein Glas, wobei ich es ihr diesmal abnahm und es ebenfalls exte. Die Flüssigkeit rann brennend meine Kehle hinunter und Tränen stiegen mir in die Augen. Emmy zupfte an ihrem Kleid, das erstaunlicherweise noch kürzer als das meiner Schwester war. »Den Anfang machen wir mit …« Eine spannungserzeugende Pause. Dunkelheit schlich sich um uns herum, als die Deckenlichter gedimmt wurden. »Kian Ripley.« Lautes Klatschen. Mein Herz donnerte in meiner Brust und ich hielt den Atem an. Kian trat in die Lichtkegel, eine akustische Gitarre in der Hand und den Blick auf den Holzfußboden geheftet. Während er Platz auf einem Hocker nahm und das Mikrofon richtete, hielt er seinen Kopf gesenkt. Sein schwarzes Haar fiel ihm in die Stirn und er trug ein weißes T-Shirt, dunkle Jeans und Stiefel. Kian zog seine Gitarre auf den Schoß und strich über die Saiten mit einer Sanftheit, die eine Gänsehaut durch meinen ganzen Körper sendete. Er schmiegte sein Instrument eng an die Brust und schloss die Augen. Als er sang, schnappte ich nach Luft. Den rauchigen, tiefen Klang würde ich nie wieder vergessen. Seine geübten Finger zupften die einzelne Gitarrensaiten und seine Musik schwebte in dem seltsamen ruhigen Raum. Das erste Mal, dass ich Serendipity schweigend erlebte und die Stadt verstummte, um einem einzigen Menschen zu lauschen. I promise you to live I don’t want to worry anymore. I promise you to live Even if I’m not sure. Erst als sein Lied verklungen war, hatte ich das Gefühl, wieder atmen zu können. Es dauerte eine Sekunde länger als gewohnt, bis alle anfingen zu klatschen. Als wären sie gerade aus einem Traum erwacht. Ohne den Blick zu heben, verließ Kian die Bühne. Mit knallroten Wangen stieg Emmy erneut hinauf, wobei ihre Aufmerksamkeit immer noch dem Musiker galt. Der ganze Pub schaute zu ihm, aber er hüllte sich in Schatten und verschwand in einem Raum hinter der Bühne. Die Stille im Serendipity besagte, dass nur ein Lied von Kian Ripley eindeutig zu wenig war. Emmy verkündete eine Pause und John Denver erklang aus den Boxen. Armer John Denver. Alles, was ich nach Kian hörte, klang einfach falsch. »Verdammte Scheiße! Wer war das denn?«, riss meine Schwester mich aus meinen Gedanken. Ich blinzelte. »Das Lied war echt wunderschön.« Samantha zog ihre Augenbrauen zusammen. »Das Lied?! Zur Hölle mit dem Lied! Hast du seinen Bizeps gesehen?« Ich verdrehte die Augen. »Aus der Entfernung konnte ich kaum etwas erkennen und-« »Lügnerin!«, fiel sie mir ins Wort. »Den heißen Kerl kann man vom Mond aus erkennen.« Ich holte tief Luft, doch eine fremde Stimme brachte mich zum Schweigen. »Ja. Aber denk nicht weiter über ihn nach.« Samantha drehte sich um, wobei ich Emmy hinter ihr entdeckte. Meine Eingeweide zogen sich zusammen. »Er gehört mir«, trällerte sie. Ein genervter Seufzer ertönte aus dem Mund meiner Schwester. »Wieso wunderte es mich nicht? Eigentlich hätte ich mich fragen sollen, warum der Kerl noch nicht deine tentakelartigen Beine um seiner Hüfte hat.« Emmy ballte die Hände neben sich zu Fäusten und trat näher. »Vorsicht, Samantha. Ich kann dich immer noch rauswerfen.« Schnaubend warf Sam ihre schwarzbraunen Haare über die Schulter. »Die Bar gehört dir nicht und ich denke nicht, dass deine Eltern mich rausschmeißen werden, nur weil du irgendeinen Schlampenanspruch auf-« »Du meine Fresse! Das ist Mia«, sagte Emmy und riss die Augen auf. Mein Blick huschte zu der Menschenmenge, doch keiner außer meiner Schwester und ihr nahmen mich wahr. »Hi«, erwiderte ich und hob eine Hand. Meine Kehle schnürte sich zu. Sie trat noch näher, sodass mir ihr süßlicher Duft in die Nase stieg. »Hi? Mehr hast du nicht zu sagen?« Meine Schwester lachte freudlos. »Bist du unsere Mutter oder warum soll Mia überhaupt ein Wort mit dir wechseln?« Emmy ließ sich aber nicht beirren. Stattdessen legte sie den Kopf schräg und musterte mich mit diesem Ausdruck, den ich jahrelang in jedem Gesicht in dieser Stadt gesehen hatte. Ein Ausdruck, der Galle in meiner Kehle hochkriechen ließ und jede Zelle meines Körpers zum Beben brachte. »Deine Haare-«, setzte Emmy an. »Ich brauche frische Luft«, fiel ich ihr ins Wort. »Ich komme mit«, sagte Sam. »Nein!« Ich wirbelte herum und atmete tief durch. »Bitte. Lass mich ein paar Minuten allein, okay?« Meine Schwester kaute eine Sekunde auf der Unterlippe herum, dann nickte sie. »Ich warte auf dich an der Bar. Aber bitte geh nicht ohne mich nach Hause.« Ich nickte ebenfalls. Noch bevor Sam etwas sagte, stürmte ich aus dem Pub. Die eiskalte Luft schlug mir entgegen und Schneeflocken rasten auf mich zu. Ich schaute zu den schneebedeckten Straßen, deren Anfang und Ende ich nicht mehr erkannte. Zitternd schlang ich meine Arme um mich und blickte durch das Fenster in den Pub. Zwischen der Menschenmenge trat Kian hervor. Sein Blick schweifte suchend durch den Raum und ein Teil von mir schrie, dass ich wieder hineingehen sollte. Dass ich für den Moment leben und den ganzen Mist vergessen sollte, der mir passiert war. Aber ein anderer Teil wusste, dass es keinen Sinn ergab, wieder hineinzugehen. Dieser Teil sagte mir, dass ich nie den Mumm haben würde, mich meinen Ängsten zu stellen. Und dieser Teil siegte, als ich den Kragen meines Pullovers höher zog und nach Hause stapfte. 2 Kian Nach dem Auftritt in der Bar in Oak Valley war ich direkt ins Auto gestiegen, um die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen. Vor ein paar Minuten hatte ein entwurzelter Baum meinen Jeep nur knapp verfehlt. Trotzdem hörte ich nicht auf, an ihre Augen zu denken. Sie hatten diese tröstende Farbe von Mokka. Allein das Hineinsehen verlieh mir die Wärme, nach der ich mich sehnte, doch seit Jahren nirgendwo finden konnte. Ein Gefühl, das ich nicht verdiente und so schnell wie möglich vergessen sollte. Kopfschüttelnd lenkte ich mein Auto in die Fallowstreet und blieb gleich nach ein paar Metern stehen. Ein Berg von mindestens sechzehn Fuß Schnee baute sich vor mir auf. »Fuck!« Mit der Faust schlug ich gegen das Lenkrad und atmete tief durch. Eine weiße Wolke stieg in die kalte Luft. Der heulende Wind schleuderte Schneeflocken mit der Größe von Äpfeln gegen die Windschutzscheibe, während die Scheibenwischer auf Hochtouren arbeiteten. Der Tankanzeiger zerschmetterte all meine Hoffnung, heute Abend einen Weg aus dieser Stadt zu finden. Ich hatte bereits die Heizung ausgemacht, um Benzin zu sparen. Doch wegen des ganzen Herumfahrens würde ich es mit dem bisschen Sprit nicht bis zur nächsten Tankstelle schaffen. Mein Handy-GPS führte mich in die nächste Straße, die in einer Sackgasse aus Eis und Schnee endete. Links von meinem Jeep neigte sich ein zwei Meter hoher Baumstamm und mein Herz vollführte einen Salto, als ein Ast von der Kiefer abbrach und in den Schneeberg krachte. »Scheiß Wetter!« Rückwärts fuhr ich in die erste Einfahrt, die nicht blockiert war. Sie gehörte zu einem zweistöckigen Haus, indessen Fenster warmes Licht brannte. Ich ließ die Stirn gegen das Lenkrad knallen. »Ich werde schon nicht sterben, wenn ich nur dieses eine Mal um Hilfe bitte.« Mein Blick wanderte zu meinem Handy, dessen Display nach einem letzten Piepen erlosch. Seufzend stopfte ich das nutzlose Gerät in meine Reisetasche, woraufhin ein Buch daraus hervor glitt. Die unendliche Geschichte. Ein Kloß bildete sich in meiner Kehle. Ich würgte ihn hinunter und schnappte mir das Buch samt Sporttasche, während ich aus dem Wagen stieg. Der Wind peitschte mir weiße Flocken ins Gesicht, die eisige Luft verwandelte meine Lunge in Feuer und ich stiefelte durch wadenhohen Schnee, um die Veranda zu erreichen. »Das schaffst du, Kian«, murmelte ich zu mir selbst und betätigte die Klingel. In der nächsten Minute wurde die Tür aufgerissen und ein Mann starrte mich an. Schwere Kopfhörer hingen ihm um den Hals und sein Kopf leuchtete hochrot, als hätte er bis eben Sport getrieben. »Hi«, sagte er außer Atem und ließ seinen skeptischen Blick an mir hinabwandern. Ich zwang mich zu einem Lächeln und ließ meine schneebepuderte Kapuze nach hinten gleiten. »Guten Abend. Ich heiße Ripley und mein Auto-« »Ach ja!«, schnitt er mir das Wort ab und fuhr sich durch die feuchten Haare. »Der Musiker aus New York.« Ich blinzelte. »Kennen wir uns?« Er schüttelte lachend den Kopf. »Nicht wirklich. Aber die Stadt ist klein. Sowas spricht sich rum.« »Dann wissen Sie, dass ich kein Serienkiller bin, der Ihr Haus in einer stürmischen Nacht aufsucht.« Seine Augenbrauen verschwanden unter seinem braunen Haar, doch bevor er etwas zu meinem grottenschlechten Witz sagen konnte, schwebte uns eine weibliche Stimme entgegen. »Wie lange brauchst du, um …« Sie blieb stehen. Stumm wie mein Herz. Die warmen, mokkabraunen Augen auf mich gerichtet und ihre sündhaften, vollen Lippen vor erstaunen leicht geöffnet. »Hey, Bienchen. Wir haben Besuch«, sagte der Kerl. Bienchen. Das Wort hallte in meinem Kopf wider und in meiner Brust breitete sich eine Kälte aus, die nichts mit der Wetterlage zu tun hatte. »Guten Abend.« Mia schnappte nach Luft. »Es schneit.« Der Kerl lachte glockenhell. Eine Helligkeit, die überhaupt nicht zu meiner Finsternis passte. »Du Blitzmerkerin.« Sie schaute weg und strich sich das Haar hinters Ohr. »Ich meine, warum unterhaltet ihr euch auf der Veranda? Gleich ist es im Wohnzimmer genauso kalt wie draußen.« Der Typ tätschelte Mia lächelnd die Schulter und sah mich wieder an. »Komm herein. Wir können etwas Warmes trinken und Sie erzählen uns, warum Sie kein Serienkiller sind.« Ich hätte lachen oder zumindest lächeln sollen. Doch stattdessen nickte ich nur und senkte den Kopf, bevor ich in den Flur trat. Wärme streifte über meine steifgefrorenen Glieder und der Duft von Süßholzwurzel und Lavendel stieg mir in die Nase. Mein Blick suchte Mias, aber sie starrte nur den Boden an. »Ich koche uns Tee«, sagte sie und eilte davon. Nickend streifte ich Stiefel und Jacke ab. Meine Sporttasche ließ ich auf dem Boden liegen.»Danke, Mr. …« »Sie können mich Jonah nennen.« Ich hob den Blick und er strahlte wie ein beschissener Sonnentag. Ich richtete mich auf, unfähig sein Lächeln zu erwidern, und griff nach seiner ausgestreckten Hand. »Kian.« »Das scheue Tier, das uns Tee kocht, ist meine Schwester Mia.« Schwester. Erleichterung durchströmte meine Adern und ich fragte mich warum. Ich kannte diese Frau nicht und hatte auch nicht vor, sie kennenzulernen. Warum fühlte ich mich dann so, als wäre ich in warmes Wasser gestiegen, nachdem ich stundenlang im Schnee gestampft hatte? »Sie stellt sich sicher vor, wenn sie wiederkommt«, fügte Jonah hinzu, während er mit einem Kopfnicken zu der Couch vorm knisternden Kamin zeigte. Das vom warmen, Licht durchflutete Wohnzimmer bot genug Platz für eine vierköpfige Familie und die spartanische Einrichtung ließ den Raum noch größer wirken. Nur das Lförmige Sofa und ein gegenüberstehender brauner Ledersessel dienten als Sitzmöglichkeit. Zwischen beiden stand ein Kieferncouchtisch, auf dem Lavendelblumen und ein Obstkorb thronten. Kein Fernseher, keine Weihnachtsdekoration, keine Regale oder Bilder. Stattdessen erhaschte ich einen Blick auf Umzugskartons, die überall an den Wänden standen. »Ich bin kein Tier«, sagte Mia, während sie mit einem Tablett in den Händen, in den Raum zurückkehrte. »Wir sind uns schon mal begegnet.« Sie sah mich an und für eine Sekunde trafen sich unsere Blicke. Eine Sekunde, in der ich mir wünschte, wir wären allein. »Tatsächlich? Woher kennt ihr euch?« Jonah beugte sich über den Couchtisch und goss heißen Tee in die drei Tassen. Pfefferminzduft stieg in die Luft. Ich lehnte mich in die Polster zurück und gierte nach Mias Blick. Doch sie sah mich nicht mehr an. Ein Spiel. Ich war die Katze, sie die Maus. »Ich habe mir ein Buch gekauft.« Stirnrunzelnd führte Jonah seine dampfende Tasse an die Lippen. »Ich habe gedacht, dass du die Eröffnung wegen des Schneesturms verschoben hast«, sagte er an seine Schwester gerichtet. Sie nahm ihren Tee ebenfalls in die Hand und setzte sich auf den Sessel mir gegenüber. »Der Laden war noch nicht auf. Aber New-Yorker scheinen keine Schilder lesen zu können.« Mein Mundwinkel zuckte und mit jeder Sekunde, die verstrich, wuchs in mir der Wunsch, noch einmal in ihre Augen zu schauen, bis sich ihre Wangen rot färbten. Wie lange hatte ihr Bruder vor zu bleiben? Noch bevor ich gehen musste, wollte ich sie wenigstens einmal flüchtig berühren. Wie gestern in der Buchhandlung. Vielleicht würde ich so ein wenig von der Wärme spüren, die ich in ihren Augen gesehen hatte. »Okay. Jetzt verstehe ich gar nichts mehr«, erwiderte Jonah. Mia zuckte mit den Schultern und kreuzte die Beine zum Schneidersitz. »Ich dachte, dass du heute früh gehen wolltest?« Sie ignorierte die Anmerkung ihres Bruders. Mein Lächeln wurde breiter. Sie erinnerte sich an unseres Gespräch. »Das habe ich versucht. Aber alle Straßen, die aus der Stadt führen, enden in Sackgassen. Ich bin in Oak Valley gefangen.« Jonah trank einen Schluck Tee und stellte seine Tasse nickend auf dem Tisch ab. »Die Bürgermeisterin hat getwittert, dass der Schneeräumungsdienst überlastet ist. Wie es aussieht, musst du um ein Zimmer im Summers Inn kämpfen.« Ich schüttelte den Kopf. »Dort war ich schon. Das Hotel ist ausgebucht.« Jonah stützte die Ellenbogen auf die Oberschenkel ab. »Kennst du niemanden in der Stadt, bei dem du übernachten könntest?« Ich lachte leise. Doch. »Gestern Abend habe ich eine Frau im Serendipity kennengelernt.« Mein Blick huschte kurz zu Mia, die blinzelnd innehielt, ihre Tasse auf halbem Weg zu ihren Lippen. »Sie hat mir angeboten, bei ihr zu schlafen«, fuhr ich fort. Stille breitete sich im Raum aus. Jonah warf den Kopf in den Nacken und lachte. Mia zuckte zusammen. »Bei ihr oder mit ihr?« Abermals lachte er. »Wer war das? Vielleicht kenne ich sie.« Er beugte sich interessiert vor. Ich sah Mia wieder an. Ein halbes Lächeln umspielte meine Lippen. »Ich weiß nicht mehr, wie sie heißt. Aber ich habe sie kurz an deiner Seite gesehen«, sagte ich an sie gerichtet. Jonah riss die Augen auf und wandte sich seiner Schwester zu. »Du warst gestern im Serendipity?!« Mia starrte mich einen Herzschlag lang an. »Hast du mich gesehen?« Wie hätte ich dich übersehen können, Mia? Nickend nahm ich meine Tasse in die Hand und trank einen Schluck. Sie leckte sich über die sinnlichen Lippen, ihr Blick in meinem verankert, als wären nur wir beide in diesem Raum. Als gäbe zu viel Abstand zwischen uns. Doch dann räusperte sie sich. »Und warum hast du ihre Einladung nicht angenommen?« Ich verbiss mir ein Lächeln. Verdammt! Da war es! Dieses Funkeln, das in ihren Augen aufblitzte und in meinem Blut Feuer entzündete. Plötzlich wurde mir klar, ich konnte nicht aufbrechen. Nicht, bevor ich die Chance hatte, sie zu einem Kuss zu verführen. Nicht, bevor … »Ich denke, dass dich das nichts angeht, Schwesterherz«, mischte sich Jonah in einem spielerischen Ton ein. Sanfte Röte schlich sich über ihre Wangen und das Flimmern in ihren Augen erlosch. »Ach, aber du kannst fragen-« »Sie ist einfach nicht mein Typ«, unterbrach ich sie und stellte die Tasse wieder ab. Jonah sah mich eine Weile fragend an und seine Miene verriet mir, dass das seiner Meinung nach keine Begründung war, um einen One-Night-Stand abzulehnen. Dann atmete er tief durch. »Bleib doch hier.« »Was?!«, rief Mia. »Hast du den Verstand verloren?« Wenn ich dachte, ich wusste, wie sie reagieren würde, flackerte plötzlich diese Leidenschaft in ihren Augen, die mein Blut wild pulsieren ließ. Jonahs Schultern hoben und senkten sich langsam. »Ich bin Polizist und es ist meine Pflicht, andere zu beschützen. Ich kann den Kerl nicht während eines Schneesturms auf der Suche nach einer Unterkunft rausschicken«, hielt Jonah dagegen. Sie schnaubte. »Das ist aber nicht dein Haus!« Ich wusste nicht warum, doch zu wissen, dass sie nicht mit ihrem Bruder im selben Haus lebte, gefiel mir. »Ich komme schon klar. Eigentlich habe ich nur geklingelt, weil ich fast kein Benzin mehr habe und mein Navi mir bei der Suche nach einer Tankstelle nicht wirklich weiterhelfen konnte.« »Na siehst du! Er hat keinen Sprit und draußen tobt ein Schneesturm von epischen Ausmaßen. Komm schon, Bienchen. Möchtest du den armen Mann so kurz vor Weihnachten vor die Tür setzen? Ich bleibe und beschütze dich, nur für den Fall, dass er doch ein Serienkiller ist.« Sie kreuzte die Arme vor der Brust. »Du willst nur nicht zurück in dein Haus, weil du seit Wochen nicht mehr eingekauft hast.« Jonah lehnte sich grinsend auf der Couch zurück und verschränkte die Hände im Nacken. Sie seufzte. »Du schläfst auf dem Sofa«, sagte sie an ihren Bruder gewandt. »Für dich richte ich das Gästezimmer her.« Ihr Blick begegnete meinem. Was tat ich hier bloß? Ich hatte mir selbst geschworen, nicht länger als eine Nacht in einer Stadt zu bleiben. Aber ich hatte keine Wahl. Wenn ich blieb, würde ich mein Versprechen nicht brechen, oder? »Na gut.« Jonah klatschte in die Hände und stand von der Couch auf. »Ich springe schnell unter die Dusche und danach mache ich uns etwas zum Essen. Mein Magen knurrt nämlich schon.« Ich nickte, woraufhin er aus dem Zimmer verschwand und Mia sich von ihrem Sessel erhob. »Ich muss das Bett beziehen. Die Matratze ist …« Sie hielt inne, als ich ebenfalls aufstand und sie am Ellenbogen berührte. Die Hitze ihrer Haut drang durch den dünnen Stoff ihres Pullovers. »Danke«, flüsterte ich und ließ ihren Arm los. Mia drehte sich zu mir um. Sie atmete stockend ein. »Lass mich das nicht bereuen, dich bei mir aufgenommen zu haben«, erwiderte sie und eilte die Treppe hinauf. Zurück blieben nur mein wild pochendes Herz und ein Gedanke, den ich vor Jahren aus meinem Kopf verbannt hatte. Der Gedanke, dass ich vielleicht nicht immer fliehen musste. Eine Lüge, an die ich für eine Sekunde glauben wollte.

Augenblicke für die Ewigkeit

Und noch was

Morgen geht es bei dem Nächsten Blogger weiter und dort lernt ihr Cassia kennen. Dass wollt ihr ganz sicher nicht verpassen. Sie ist so eine Liebe.

Bald kommt auch noch meine Rezension zu diesem Buch.

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